Dietmar Schmucker

Molekulare Neurowissenschaft

Im menschlichen Gehirn sind etwa 86 Milliarden Nervenzellen in komplexen Netzwerken miteinander verbunden. Dass dabei auch mal etwas schiefgeht, erscheint bei der Zahl selbstverständlich, hat aber schwerwiegende Folgen. Fehlfunktionen in der Verschaltung des Gehirns sind häufig Ursachen für neurologische und neuropsychiatrische Erkrankungen. Dietmar Schmucker hat Methoden und Techniken entwickelt, die uns helfen zu verstehen, welche molekularen Mechanismen der Verschaltung des Nervensystems zugrunde liegen. Seine Grundlagenforschung hat also auch eine große medizinische Relevanz.
Schmucker hat Bahnbrechendes zum konzeptionellen und technischen Fortschritt der Hirnforschung geleistet und gilt als Pionier und einer der weltweit führenden Experten im Bereich der molekularen Neurowissenschaft. Bereits als Postdoc gelang ihm ein Meilenstein der Neurobiologie: die Erstbeschreibung der Bedeutung des DSCAM-Gens in der Taufliege. Später konnte er dessen Rolle als zentraler Player bei der Verschaltung des Gehirns nachweisen und seine Forschungsmethode auch auf Wirbeltiere übertragen.
Als Humboldt-Professor soll Schmucker in Bonn ein grundlagenorientiertes neurowissenschaftliches Zentrum mit aufbauen. In Kooperation mit bestehenden Bonner Forschungsinstituten könnte die Stadt damit eine herausragende Position in der deutschen Neurowissenschaft einnehmen.

Dietmar Schmucker wurde für die Humboldt-Professur ausgewählt und ist derzeit in Berufungsverhandlungen mit der deutschen Universität, die ihn für den Preis nominiert hat. Werden diese erfolgreich abgeschlossen, wird der Preis im Mai 2019 verliehen.

Nominierende Universität: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Prof. Dr. Dietmar Schmucker

in Deutschland geboren, ist seit 2009 Professor und Gruppenleiter am VIB (Vlaams Instituut voor Biotechnologie) und Neuronal Wiring Laboratory des Center for Brain and Disease Research an der Katholieke Universiteit (K.U.) Leuven, Belgien. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen ging er 1996 als Postdoc in die USA, zunächst an die Rockefeller University in New York, dann an die University of California, Los Angeles (UCLA). Anschließend wechselte er als Assistant und später Associate Professor an die Harvard Medical School in Boston. 2011 wurde Schmucker zum Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) gewählt.