10.05.2019

Verleihung der Humboldt-Professuren: Neun Spitzenforscher aus dem Ausland ausgezeichnet

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek und der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape haben gestern Abend die Alexander von Humboldt-Professuren verliehen. In ihrer Rede kündigte die Bundesforschungsministerin zudem an, das Themenfeld der Künstlichen Intelligenz über die Einrichtung zusätzlicher Humboldt-Professuren zu stärken.

Neun Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland sind am Donnerstagabend in Berlin mit dem mit bis zu 5 Millionen Euro höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands ausgezeichnet worden, der Alexander von Humboldt-Professur. Der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape überreichte die Preise während einer Festveranstaltung mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek an Margaret Crofoot, Malte Gather, Anke Hoeffler, Jens Meiler, Alexandre Obertelli, Stefanie Petermichl, Dietmar Schmucker, Henning Walczak und Enrique Zuazua.

Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nominiert und werden nun in Bonn, Darmstadt, Erlangen-Nürnberg, Köln, Konstanz, Leipzig und Würzburg forschen.
„Wer mit der Alexander von Humboldt-Professur nach Deutschland kommt, soll etwas bewegen“, betonte der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape und forderte die anwesenden Preisträgerinnen und Preisträger auf: „Sie sind gekommen, um zu verändern, Sie sollen frischen Wind in unser System bringen. Das gilt auch für den Dialog mit der Öffentlichkeit: Mischen Sie mit, sprechen Sie über Ihre Forschung, bringen Sie sich, Ihr Wissen und Ihren Verstand ein.“

„Freiheit und Vertrauen gehören zur Humboldt-Professur: Ob es die Freiheit von kurzfristigen Nützlichkeitserwartungen ist, oder die Freiheit zur Erforschung von Grundlagen und von Experimenten, die das Risiko des Scheiterns nicht scheuen müssen – all dies ist bei der Humboldt-Professur selbstverständlich“, fuhr Pape fort.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, erklärte: „Alexander von Humboldt war ein Ausnahmeforscher. Auch 250 Jahre nach seiner Geburt ist er ein Vorbild für die Wissenschaft. Bereits zu seiner Zeit ein Netzwerker, weil er sich intensiv mit anderen Forschern austauschte. Er lebte, reiste und korrespondierte global – ganz ohne moderne Kommunikationswege. Netzwerke von und Netzwerker unter Forschenden sind auch heute die Lebensadern von Wissenschaft. Genau dafür steht die Alexander von Humboldt-Professur.“

Außerdem kündigte die Bundesforschungsministerin die Einrichtung von 20-30 weiteren Alexander von Humboldt-Professuren im Rahmen der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung an. Diese sollen bis zum Jahr 2024 in mit KI verbundenen Disziplinen vergeben werden: „Alexander von Humboldts Zeit erlebte eine ‚Explosion‘ des Wissens. Diese erleben wir auch heute: Sie findet mit Hilfe von Computerchips und in grenzenlosen Datenräumen statt. Hier sind digitale Entdecker mit ganzheitlichem Blick gefragt. Teil der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung ist die Einrichtung 100 neuer KI-Professuren, davon 20-30 nach dem Förderformat der Alexander von Humboldt-Professuren. Die ‚Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche Intelligenz‘ wird sich dem Thema KI im humboldtschen Geiste ganzheitlich widmen, technisch ebenso wie gesellschaftlich“, erklärte Ministerin Karliczek.

Ein genauer Zeitplan für die Einrichtung der Humboldt-Professuren für Künstliche Intelligenz steht noch nicht fest. Details werden derzeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung abgestimmt. Erste Humboldt-Professuren im Bereich Künstlicher Intelligenz könnten jedoch schon im Mai 2020 vergeben werden.

Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung bisher jährlich bis zu zehn weltweit führende, im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Sie ist mit je fünf Millionen Euro für experimentell und je dreieinhalb Millionen Euro für theoretisch arbeitende Wissenschaftler dotiert. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Forschern und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen. Die Auszeichnung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:

Malte Gather (Nanobiophotonik) wechselt von der University of St Andrews, Großbritannien, an die Universität zu Köln
Anke Hoeffler (Politische Ökonomie) wechselt von der University of Oxford, Großbritannien, an die Universität Konstanz
Jens Meiler (Bioinformatik) wechselt von der Vanderbilt University in den USA an die Universität Leipzig
Alexandre Obertelli (Experimentelle Kernphysik) wechselt vom Institut de recherche sur les lois fondamentales de l’Univers (IRFU), Frankreich, an die TU Darmstadt
Stefanie Petermichl (Mathematik) wechselt von der Université de Toulouse, Frankreich, nach Würzburg
Dietmar Schmucker (Molekulare Neurowissenschaft) wechselt von der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien, an die Universität Bonn
Henning Walczak (Biochemie/Immunologie) wechselt vom University College London, Großbritannien, an die Universität zu Köln
Enrique Zuazua (Angewandte Mathematik) wechselt von der Autonomen Universität Madrid und der Universidad de Deusto in Bilbao, Spanien, an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Außerdem wurde eine Auszeichnung nachgeholt:
Margaret C. Crofoot (Biologie/Bewegungsökologie) wechselt von der University of California, USA, an die Universität Konstanz

Die Alexander von Humboldt-Stiftung
Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 29.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 55 Nobelpreisträger.